Da war diese Idee zu dieser speziellen Liste, eine Life-Goal-List. Auf dieser Liste stehen diverse Dinge die ich in diesem Leben gern einmal erleben möchte. Ein Punkt auf dieser Liste ist es, ein Marathon zu laufen.

Das Jahr 2017 sollte es nun sein. In Berlin kann man sich nicht einfach anmelden und man geht an den Start, nein man muss sich registrieren und wird dann ausgelost. Ich hatte mit einigen Kollegen und Freunden den Deal, wir melden uns an und wenn wir gezogen werden, beginnen wir mit dem Training. Und so sollte es kommen. Glücklicherweise findet das ganze Prozedere bereits ein gutes Jahr vor dem eigentlich Veranstaltungstag statt und somit hatten wir auch genügend Zeit um zu trainieren.

Wir nutzen teilweise einen Plan von Strava oder von Asics. Ich für meinen Teil nutzte den Asics Plan, da sich dieser immer wieder anhand der geloggten Zeiten anpasste und sich somit individuell auf einen selbst einschießt.
Ich hatte eine krasse App-Log-Chain aufgebaut, da Asics sich nur mit Runkeeper verbinden lässt und ich Strava verwende, kamen eine Reihe an Tools zum Einsatz um das alles miteinander zu verknüpfen und im Anschluss zu automatiseren. Die Chain sah am Ende dann so aus:

Strava Apple Watch App -> Strava -> Tapirik -> Runkeeper -> Asics

Mega!!! Und das alles nur um nicht manuell die GPX Dateien hoch- und herunterzuladen.

Das Training

Nun war alles bereit um das Training zu starten. Die ersten Wochen und Monate plätscherten relativ easy dahin. Auf dem Wochenplan standen immer drei bis vier Läufe mit Distanzen zwischen 5 und 18 Kilometer. Erst als Distanzen jenseits der Halbmarathonmarke auf dem Programm standen wurde es schwierig. Allein die Zeit dafür aufzubringen ohne dabei das Famlilienleben zu stark zu beineinträchtigen ist schon schwierig.
Ich bin schon einige HM's gelaufen, egal ob im Training oder auch als ofizielle Rennen, aber ich bin eigentlich nie über die 23 Kilometer hinaus gekommen. Nun musste ich bis zum Renntag so einige 25K Läufe absolvieren wobei ich mich zunehmend darauf eingroovte.
Man trainiert ja nicht nur die Distanzen, sondern auch das Material (Kleidung, Schuhe, Gear... etc.) und natürlich auch die Ernährung. Ich habe diverse Gels, Riegel und Drinks ausprobiert und mich am Ende für eine Mischung aus allen entschieden. Für mich waren die Gel-Drinks von Dextro Energie die beste Mischung aus Konsistenz und Effizienz. Ich experimentierte auch viel mit einem Camelbak rum, habe mich dann zum Rennen aber dagegen entschieden.
Bei der Kleidung war eigentlich soweit alles gesetzt, nur eines musste noch geklärt werden: Wo verstaue ich die vielen Gel-Tütchen?! Ich habe dann im Internet einen Gurt gefunden, der im Prinzip einfach aus einem doppelt gelegten und zusammengenähten Tuch einen Schlauch bildet. Dieser hat ein paar vorgegebene Öffnungen in denen man dann einfach alles mögliche verstauen kann. In meinem Fall war das ein Smartphone, 8 Gel-Tütchen und Taschentücher (ich hatte da mal ein Erlebnis, deshalb nie wieder ohne Taschentücher!).

Alles klar, Nahrung und Kleidung waren somit gesetzt und ich konnte mich den wirklich harten Läufen widmen. In jedem Marathon Trainingsplan kommt mindest ein 30K und DER 35K Lauf vor. In meinem Plan waren es tatsächlich zwei 30er und ein 35er. Den ersten 30er musste ich nach 22km abbrechen und war dementsprechend gefrustet. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mir gesagt, wenn ich den zweiten 30er und den 35er nicht auf die Kette bekomme, dann lasse ich es mit dem Rennen sein. Ich analysierte die Ursachen für meinen Fail und plante den zweiten 30er den ich dann super herunter lief. Zehn Tage später wollte ich dann den ultimativen Testlauf, die 35K, runterreißen. Zwischen den beiden Einheiten, absolvierte ich noch einen kurzen 10er und ein Interval-Training, was sich am Ende sehr positiv ausgewirkt hat.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mein Zeitziel, den Marathon unter vier Stunden zu laufen, längst verworfen. In den Trainings blieb ich aber mit Zeiten von 5:56min/km dran am Ziel. Okay, man muss schon noch mal 30sek/km schneller sein um die 4 Stunden Marke zu durchbrechen, aber soweit weg ist das nicht. Meine Halbmarthon-Bestmarke liegt immerhin bei 1:46:11h was einer 4:59 Pace entspricht. Also kann man doch die doppelte Distanz mit 30 Sekunden mehr pro Kilometer schaffen, oder?! Anyway... wir werden sehen.

Der Tag des Rennens

Nun war es endlich soweit... die ganze Trainings-Quälerei hatte ein Ende.
Der Tag des Rennens war endlich da. Wir hatten bis zu diesem Tag einen wirklichen tollen Spätsommer... bis zu diesem Tag. Es sollte einfach so sein, dass es ausgerechnet an diesem Tag der Wettergott nicht gut mit uns meinte.

Im Startblock
Mit Marc und Poldi im Startblock – Foto: Marco Senkpiel

Es war kalt, nass und es war so ein Sprühregenwetter. Schon auf dem Weg zum Kleidungsabgabeort war mir super kalt. Schön war das nicht. Wir bewegten uns dann in den Startblock, welcher bei der allersten Teilnahme an einem Marathon immer der letzte Block ist. In Berlin ist das Block H. Allerdings sollte man noch erwähnen, dass dieser Block so groß ist, wie die Blöcke A bis G zusammen. Somit war unser erklärtes Ziel, uns bis zum Anfang von Block H durchzudrängeln, was uns auch gelang. Wenn man ein Zeitziel verfolgt, ist das sehr wichtig, da man sonst nur Slalom um all diejenigen machen muss, die ein langsameres Tempo verfolgen.

Der Start

Wir hatten es geschafft bis an den Anfang von Block H zu gelangen und konnten sogar noch einmal ein Dixi aufsuchen bevor sich das Feld dann endlich in Bewegung setzte. Als wir über die Startlinie liefen war es schon ein irres Gefühl. Hier waren wir nun und es galt jetzt das trainierte abzurufen.
Mein Ziel war es, die vier Stunden Marke zu unterschreiten. Die ersten Kilometer liefen echt super und auch die angestrebte Pace von um die 5:30min/km rollten so runter. Bei der Halbmarathonmarke standen zum ersten Mal Familie und Freunde (siehe Titlebild) und es lief wirklich gut. Mental versuchte ich mich immer bis zum nächsten Freundes-Push zu hangeln. Bis Kilometer 30 lief es auch alles echt gut. Beim Berlin-Marathon wird man wirklich sehr gut versorgt, ca. alle 2,5 Kilometer gibt es irgend etwas zu konsumieren.

Auf der Strecke
Auf der Strecke – Foto: Marathonfoto

Immer wieder Wasser aber auch Isogetränke oder sowas ähnliches. Dieses "Überangebot" an Getränken, gepaart mit der regelmäßigen Einahme der in meinem Training erprobten Gele, sorgte dafür, dass mir auf einmal schlecht wurde. Mein Magen hatte auf einmal keine Lust mehr und ich musste mich fast übergeben. Ich handelte und reduzierte sofort die Geschwindkeit bis ich nur noch gehen konnte. Diese Zwangspause musste ich mir auferlegen, sonst wäre es völlig vobei gewesen. Beim gehen wurde mir klar, dass ich die vier Stunden vergessen konnte, was aber irgendwie okay war. Ich schaltete sofort in den Modus "Ich will das Ding zu Ende laufen" um. Somit war es auch für den Kopf kein Problem mehr. Meine Freundin kam mir mit unseren 5 Monate alten Sohn in der Trage und unserer 2,5 jährigen Tochter auf den Schultern entgegen und sie gaben mir noch einmal mehr Mut das Teil hier zu rocken.
Es fühlte sich wieder besser an und nach ca. fünf Kilometer begann ich dann auch wieder zu laufen. Es fühlte sich wieder richtig gut an und ich konnte die 5:30er Pace fortführen. Kurz vor Ende, bei ca. KM 40, hatte ich noch einmal einen kurzen Einbruch und musste noch einmal kurz gehen. Aber dann setzte ich zum Endspurt und überquerte die Ziellinie meines ersten Marathon mit einer Zeit von 4:20:30h. Ich war überwältigt und meine Emotionen spielten verrrückt. Was für ein Erlebnis!

Da ist das Ding!
Da ist das Ding! – Foto: Marco Senkpiel

Hier noch ein bisschen Statistik Zeug

Die Strava Daten weichen immer etwas von den offiziellen Daten ab aber dennoch, in dem Graphen kann man sehr gut sehen, dass ich vor und nach dem Einbruch ein sehr konstantes Tempo gelaufen bin.

Da ist das Ding!
Foto: Strava Screenshot

Foto Titelbild: Nicki Voigt